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Wenn Nachhaltigkeit zum Wendepunkt wird

  • vor 1 Stunde
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Wenn man Patrick Brenndörfer über Motorsport sprechen hört, merkt man schnell, dass seine Karriere immer von zwei Dingen angetrieben wurde: der Leidenschaft für puren Rennsport und der ständigen Suche nach sinnvollen Geschichten rund um Nachhaltigkeit und Innovation. Am Vorabend von Runde 2 der RCCO World eX Season 9 in Sepang war der Gründer und Inhaber von Bremotion zu Gast im aktuellen Bizz Talk und gab tiefe Einblicke in sein EuroNASCAR-Projekt, seine Simracing-Vergangenheit und warum eine „Green Racing“-Idee letztlich zur Gründung seines eigenen Unternehmens führte.


Patricks Motorsportreise begann direkt an der Strecke am Nürburgring. Als junger Fan besuchte er die DTM und 24-Stunden-Rennen und erinnert sich noch genau an den Moment, als ein Mercedes 190 Evo II mit 9.800 U/min über die lange Gerade flog. „Das war der erste Zündfunke, zu sagen: Okay, Racing ist das, was ich machen will“, erinnert er sich. Von da an war sein Ziel ebenso klar wie ambitioniert: Rennfahrer werden, idealerweise Formel-1-Weltmeister. Er durchlief Stationen im Kartsport, in der Formel Ford und im Ford Puma Cup und wechselte 1999 zu HEICO SPORTIV, einem professionellen Volvo-Tuner, bei dem er 15 Jahre bleiben sollte.


Bei HEICO SPORTIV war Brenndörfer zunächst für PR und Marketing verantwortlich – und bald auch für den Rennsport. In einer Werkstattecke stand ein Volvo S40 Rennwagen aus einem ehemaligen Werksprogramm, das Volvo eingestellt hatte. „Ich habe meinen Chef gefragt, was wir damit machen können, und er sagte: Du kannst das Auto haben, mach, was du willst – aber nicht in der Arbeitszeit und nicht mit meinem Geld“, erzählt Patrick schmunzelnd. Für ihn war das die perfekte Chance, auf der Nordschleife einzusteigen.


Die Anfangszeit war echter Motorsport an der Basis. Brenndörfer erinnert sich an sein erstes VLN/NLS-Rennen mit nahezu keinem Budget: Das Team kam mit Anhänger, zwei oder drei Mechanikern – und Straßenreifen von Continental, weil Slicks schlicht zu teuer waren. „Wir sind mit Straßenreifen auf der Nordschleife gefahren – völlig verrückt“, sagt er. Schritt für Schritt baute er eine professionellere Struktur auf, fand Sponsoren und entwickelte eigene Fahrzeuge. Der Volvo S40 „Odin“ und später ein C30 und V40 mit knapp 400 PS, speziellem Nordschleifen-Fahrwerk und Carbon Bodykit bildeten die Basis eines ernstzunehmenden Programms.


Ein entscheidender Wendepunkt war seine Entscheidung im Jahr 2007, auf alternative Kraftstoffe zu setzen. Brenndörfer stellte sein Volvo-Projekt auf E85-Bioethanol um und vermarktete es als „Green Racing“. „Der Plan war, eine neue Geschichte zu erzählen und wirtschaftlichen sowie umweltfreundlichen Kraftstoff einzusetzen“, erklärt er. Die Idee ging auf: Das Projekt erhielt große mediale Aufmerksamkeit und zog Sponsoren wie Evonik an. Nach Bioethanol folgte Biodiesel. „Das hat uns Türen zu Medien und Sponsoren geöffnet“, sagt Patrick.


Rückblickend stellt er selbst den direkten Zusammenhang zur Gründung seines Unternehmens her. „In der Kurzversion: ja“, bestätigt er, als er gefragt wird, ob das Bioethanol-Projekt geholfen hat, Evonik als Partner für sein erstes großes Projekt nach HEICO SPORTIV zu gewinnen. Die Suche nach einem zukunftsorientierten, nachhaltigen Ansatz im Motorsport – kombiniert mit seinem Marketingverständnis – verschaffte ihm die nötige Glaubwürdigkeit und die richtigen Partner für den nächsten Schritt. „Ich bin auch ein Marketing-Typ, deshalb frage ich mich immer: Was ist interessant für Menschen, Medien, Fans und auch technisch?“, sagt er. Grüne Kraftstoffe waren seine Antwort – und diese führte direkt zu Bremotion.


2014 gründete Patrick schließlich Bremotion. Der Zeitpunkt war ideal: Evonik beauftragte ihn mit der Entwicklung und Betreuung des Roding Roadster, eines Carbon-Monocoque-Sportwagens mit BMW-Antrieb aus der bayerischen Stadt Roding. „Ich habe gesagt: Das ist eine einmalige Chance im Leben, ein eigenes Projekt und eine eigene Firma zu starten – und wir haben es gemacht.“ Gleichzeitig erweiterte er das Geschäftsmodell über den Rennsport hinaus. „Nur Racing ist ein Hochrisiko-Geschäft“, gibt er zu. Mit seinem Hintergrund im Tuning und bei Performance-Straßenfahrzeugen wurde er 2015 offizieller Brabus-Händler in Frankfurt und nahm später auch AC Schnitzer und TechArt ins Portfolio auf. Heute besteht das Tagesgeschäft von Bremotion darin, exklusive, individuelle Supercar-Projekte auf Basis von Kundenfahrzeugen zu realisieren – eher eine „Special Garage“ als ein klassischer Autohändler.


Trotz dieses Fokus auf Straßenfahrzeuge blieb der Rennsport immer Teil der Bremotion-DNA. Von 2019 bis 2020 betrieb das Team ein AMG GT4-Programm, passend zum Mercedes-Tuninggeschäft. „Wenn du Brabus-Mercedes-Tuner bist, fährst du auch mit einem Mercedes Rennen. Win on Sunday, sell on Monday – das funktioniert immer noch“, sagt Patrick. Die COVID-19-Pandemie zwang Bremotion Ende 2020 zu einer Pause im Rennsport – allerdings nur vorübergehend.


2022 entfachte eine private USA-Reise einen lang gehegten Traum neu: ein NASCAR-Rennen live zu erleben. Sound, einfache, aber spektakuläre Autos und die Atmosphäre hinterließen Eindruck. „Das war etwas ganz Besonderes – der Sound, die Action, diese Art von Racing mit spektakulären Autos“, erklärt Brenndörfer. Innerhalb von nur zwei Wochen entschied er sich, 2023 mit Bremotion in die NASCAR Euro Series einzusteigen.


Der Einstieg hätte kaum besser laufen können. Bremotion trat zunächst mit einem, später mit zwei Autos an und schrieb sofort Geschichte. „In unserer Debütsaison haben wir direkt zwei Rennen gewonnen – als erstes deutsches Team überhaupt, das weltweit ein NASCAR-Rennen gewonnen hat“, sagt Patrick stolz. Seitdem ist Bremotion fest in der Serie etabliert und verbindet seine Straßensportwagen-Expertise mit einer Serie, die für puren Rennsport steht.


Für Brenndörfer erfüllt die NASCAR Euro Series viele Anforderungen. Technisch basiert sie auf identischen Fahrzeugen – gleiche Chassis, gleiche Motoren, keine elektronischen Fahrhilfen. „Im Grunde sind alle Autos gleich – nur die Karosserie unterscheidet sich“, sagt er mit Blick auf Silhouetten wie Camaro, Camry und Mustang. Es gibt kein ABS, keine Traktionskontrolle, kein BoP. „Aus Fahrersicht ist das eine der besten Serien überhaupt“, so Patrick.


Auch das Rennformat ist in Europa besonders: Gefahren wird auf klassischen Rundstrecken statt Ovalen, mit 30–40-minütigen Sprintrennen auf Strecken wie Valencia, Paul Ricard, Brands Hatch oder Most. „Das ist purer Rennsport“, betont er. Zwei Fahrer teilen sich ein Auto, fahren aber jeweils eigene Rennen und Meisterschaften – eine kosteneffiziente Lösung ohne klassische Langstreckenstruktur.


Finanziell bleibt die Serie herausfordernd. Europaweite Reisen treiben die Kosten, gleichzeitig ist die Plattform für große internationale Konzerne noch nicht groß genug. „Für große Unternehmen ist die Serie vielleicht noch zu klein, für nationale Firmen zu groß – das ist eine Herausforderung“, erklärt Brenndörfer. Dennoch sieht er Wachstumspotenzial, unter anderem durch TV-Übertragungen und Streaming.


Um die Reichweite zu erhöhen, investiert Bremotion stark in Events und Fan-Aktivierungen, besonders in Deutschland. Veranstaltungen rund um Städte wie Frankfurt und Magdeburg nutzen gezielt die regionale Nähe der Fahrer. Events wie Brands Hatch mit dem American SpeedFest (50.000–60.000 Zuschauer) zeigen das Potenzial. „Für Racing-Fans ist das ein Traum“, sagt er. Auch in Most, gemeinsam mit der Truck-EM, kommen rund 40.000 Zuschauer. „Das Produkt ist gut – wir müssen nur dafür sorgen, dass die Leute wissen, dass es NASCAR auch in Europa gibt.“


Ein zentrales Thema im Bizz Talk war Bremotions Entscheidung, einen Simracer – Garrett Lowe – einzusetzen. Die Idee basiert auf Patricks eigener Erfahrung mit Simulation. Bereits 2019 setzte Bremotion mit Jan-Philipp "JP" Springob einen jungen Kartfahrer ohne Führerschein direkt in ein GT4-Auto und bereitete ihn über Simulator und iRacing vor. „Er konnte von Anfang an vorne mitfahren“, sagt Patrick.


Vor zwei Jahren kam Florian Haasper von BS+COMPETITION mit der Idee, Garrett Lowe – einen Top-eNASCAR-Simracer – in der Euro Series einzusetzen. „Ich war sofort begeistert“, sagt Brenndörfer. Der Erfolg stellte sich schnell ein: Lowe war direkt konkurrenzfähig und holte Podestplätze. „Ich bin sicher, dass er ein Kandidat für Rennsiege ist.“


Interessanterweise reicht Patricks Verbindung zum Simracing weit zurück – bis in die 1990er-Jahre und die Simulation Grand Prix Legends. „Das war 1998 mein Sponsor in der Formel Ford“, erzählt er. Die Simulation galt als extrem realistisch und anspruchsvoll, insbesondere durch die detailgetreue Nordschleife. „Das ist nichts für entspanntes Feierabend-Racing“, sagt er lachend.


Damals baute er sogar einen physischen Simulator auf Basis eines Formel-Ford-Chassis und präsentierte ihn auf der Nürburgring-Fläche der Essen Motor Show. Fans und ehemalige Rennfahrer standen Schlange, um ihn auszuprobieren. „Das war eine verrückte Zeit“, erinnert er sich.


Heute nutzt er Simulation vor allem zur Entspannung. „Ich fahre noch, aber eher zum Abschalten“, sagt er. Wenn er neue Ideen sucht, dreht er ein paar Runden auf der Nordschleife. „Die Szene ist heute so professionell – man müsste täglich trainieren, dafür habe ich keine Zeit mehr.“ Dennoch bleibt Simulation ein wichtiger Bestandteil bei Bremotion: „Alle unsere Fahrer trainieren im Simulator.“ Quelle: https://www.rccoworldex.com/index.php/2026/04/17/when-sustainability-becomes-a-turning-point/




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